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Die Redaktion
Editorial
EDITORIAL
Wie Zahnräder greifen Sätze, Bilder, Motive ineinander, knacken, knirschen und bringen eine Maschinerie in Gang, die nicht mehr aufzuhalten ist: Die BELLA triste 33 läuft heiß.
SIMON STUHLER verzahnt sieben Textteile so, dass ihr Getriebe summt und surrt, ein Mantra, das immer wieder neu erklingt: „der edelstein von phaiseng spendet sein rauchiges licht dem, der ihn umfasst", sodass auch die dunkelsten Tiefen des Meeres erhellt werden.
In LAURA NAUMANNs Dramenauszug erzählen Alicia und ihre Brüder von einer Welt aus Schrott und Müll. „Zwischen den Dingen, die nicht verwittern" suchen sie Schutz, weil sie nicht wissen, was außerhalb der Grenzen ihrer Heimat geschieht. „hier kenne ich mich aus hier ist mir alles passiert was passieren kann".
In CHRISTOPH WENZELS Zyklus das schwarzbuch die farbfotos pulsiert die Industrie des Potts. Im Schatten rußhustender Schlote erzählen vergangene Jahrzehnte von Kumpeln, Kneipen und Kohleschächten.
NINA BUßMANNs Erzählerin beschwört eine Freundschaft mit solch poetischer Wucht, dass am Ende gezweifelt werden kann, „ob man selbst nicht nur die Figur war, die ein anderer sich gerade ausdachte oder träumte."
Im zweiten Heftteil lässt CHRISTIAN HUBERTS Digitales und Literarisches ineinandergreifen. ANDREAS STICHMANN spricht im PHON über seinen Debütroman, der als schwungvolles Reiseabenteuer beginnt und einen Protagonisten begleitet, der im Strudel von Hoffnungen und Hirngespinsten seine Geschichte sucht.
Auch die Redaktion rotiert: NIKOLAS HOPPE hat nach fast drei Jahren unseren Kreis verlassen. Hab Dank für deine Schwungkraft, deine Gehirnwindungen und die vielen Schrauben, die du festgezogen und gelockert hast. Zugleich ergänzen zwei neue Zähne das BELLA-Rad: MARCO LEHMBECK und STEFAN VIDOVIĆ, beide Studierende am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft, helfen ab dieser Ausgabe dabei, dass BELLA eine runde Sache bleibt.
Viel Spaß beim Drehen wünscht
Ihre Redaktion BELLA triste
Linus Westheuser
eine art bedeutungslose gegengewalt
die werften der welt sind traurig
unterm tag liegt etwas geschürftes
in nesseln ein restloses türkis
gequetscht, am morgen: zwei abwesende anrufe
wir oder ich steigen in die kapseln
runter runter, die seeschlacht
ein memory aufgeklappter wunden im auto
im schalbau, rundweg‒ acryl in den augen
den traurigen werften, im brustkorb federn
die beine aus filz
ich möchte dich anfassen
dir was hinstellen, das morgens
und abends goodbye sagt und stoff gibt
ein obenrum abgeschmiergelter cowboy
oder diese zwei kühe‒ sie tragen milch
in den zähnen, auf ihren rücken
liegen falsch transplantierte flügel
und die datentürme, in den geschäften, usw.
dann vor der tür von den wolken befallen sein‒ wir
sind alles das, was wir vergessen haben
unser mund lagert schürfrechte ein
tausend ausgehöhlte blüten
aus den kanonen tropft die farbe die hand
fährt darüber und bremst:
türkis, türkis
toujours des problèmes
rumpfbauten, siechen alleine. lass die kippen im weiher, sieh.
gehen wir von strömen aus, bühnen: ein neues sodass. das
territorium zweimal am morgen. babylon. will ich alleine sein,
schleicht sich ein delta ins dach, in tüten, erwachen verweise,
zerschlagen die fenster und zünden die balken an, das bleibt
unterm strich. kein stocken im harz, kein fauliges maulwurfsvolk.
bloß buhnen und strom, ein joystick am himmel. gesetzte säuger
im schlauchboot darunter. also hier. wenn wir es schaffen
den wald zu erfassen, den schimmel im stein. wenns aus dem
schilf einer schafft die haare zu bergen. augapfelrollen aye
aye, mein junge. der bär des morgens und der bär des morgens.
mit groben cornies am schirm die isolation durchbrechen,
aufräumen. und dabei noch so viel zocken wie möglich.
leute treffen ist einfach
leute treffen ist einfach, du schneidest den apparaten
ins mark und wartest. jede wohnung ist eine sekunde,
blindes verhalten im wetterbericht. wenn das mauseloch
stumm bleibt, zählst du den schlag deiner beine. zeilen:
eine art bedeutungslose gegengewalt. schluckst du luft,
ist das anzeichen für eine äußerung. anflug von taubem
aufschlag, balkon ist nicht weit. du musst die plots aus dem
sichtfeld streichen, steileres suchen, im fall. der wind ist
ein kriegstreiber, falsche message. zeig auf galvanische
ziegen, greif rein, wenn niemand dich sieht. und vor allem:
hinterlasse beweise. wenn du wartest, weiten sich löcher
und fallen in sich hinein. dadrinnen wohnen leute.
erschieß jeden der zweimal kommt.
fulham
sowas wie fulham. anstehen, anstehen. wie kann man
einen strich machen, der nicht dumm ist? kaum weiß man
wo die augen liegen. ich bin dort eigentlich nie gewesen,
habe immer so getan. ich sitze vielleicht in einer lärmregion
im weltall. die haare in einer luke geklemmt, im fotoapparat,
oder du kommst nicht, weil du dich hingelegt hast, die lider
in richtung der sonne gestreckt, die pupillen zum mond,
ein kritzel am boden als erinnerung: hier fängt unten an.
dein körper tableaus aus zerschnitzelten zetteln,
in der ortsgruppe beschriftet mit richtig und falsch
während eines unwetters. haltbar nur durch dunkelheit
und dann bäume in die sicht gespritzt. das da, das kann mir
nichts anhaben, ich habe soviel zeit in deinem schrank verbracht,
ich dachte es wäre nur push und anstehen, das gegenteil
von wendehammer, endzeit von räumen vielleicht,
wo sich permanent nicht ganz paarige tiere bespringen.
nein, ich werde das nicht annehmen, nicht von so weit oben,
astronauten mit zähnen im haar, das wird nicht gut.